Nachdem am Dienstag bei Webmasters on the Roof die Frage nach dem Grid Hosting etwas untergegangen ist
Was ist Grid Hosting?
Grid Hosting basiert auf der gleichen Idee wie Grid Computing: Wenn man die Last auf viele Computer verteilt geht es schneller, beziehungsweise, im Falle von Hosting, lässt sich der Impact einer Frontpageplatzierung bei Digg oder ähnlichen Trafficbringern abfedern, ohne dass die Website plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Aus diesem Grund wird Grid Hosting auch zum so genannten Utility Computing gezählt. Der virtuelle Web-Server wird bei Bedarf einfach auf viele Rechner verteilt, die sich sinnvoller Weise nicht den gleichen Zugang ins Internet teilen sollten.
Vorraussetzungen für Grid Hosting
Nicht jede Website lässt sich problemlos auf einem Grid hosten.
Statische Websites: Wenn die Website aus statisch generierten HTML-Seiten besteht, dann verteilt man den Content einfach auf die entsprechenden Server und sorgt mit einer entsprechenden Konfiguration dafür, dass die Zugriffe im Bedarfsfall verteilt werden. Dies lässt sich im einfachsten Fall mit einer round-robin DNS-Konfiguration erreichen; die Komplexität der Lösung kann man natürlich beliebig steigern. Wer es etwas komfortabler haben möchte, setzt beispielsweise noch ein SAN (Storage Area Network) ein, das erhöht allerdings den Kapitaleinsatz.
Dynamische Websites: Wenn die Inhalte aus einer Datenbank kommen, dann wird das Ganze schon etwas komplizierter. Die eingesetzte Software muss in der Lage sein, sich den Zugriff auf die Datenbank mit mehreren Rechnern zu teilen, und die Datenbank sollte in diesem Fall auch nicht zu schwach auf der Brust sein. Es ist also eine Infrastruktur nötig, bei der die Netzwerkperformance keine Flaschenhälse aufweist. Anders gesagt, jetzt kann es teuer werden, da ein derartiges Rechenzentrum von kompetenten SysAdmins überwacht werden muss.
Vor- und Nachteile von Grid Hosting
Die Vorteile einer auf einem Grid gehosteten Website liegen auf der Hand:
- Hohe Ausfallsicherheit.
- Betriebssystem und Software lässt sich im günstigsten Fall, ähnlich wie bei Cluster-Systemen, ohne Downtime upgraden.
- Auf Traffic-Spitzen kann flexibel reagiert werden.
Die Nachteile sind nicht ganz so offensichtlich:
- Je nach Vertrag kann eine Traffic-Spitze teuer werden, da normalerweise nach Ressourcenverbrauch abgerechnet wird.
- Da sich Traffic-Spikes in den seltensten Fällen planen lassen, ist es nicht einfach den ROI (Return on Investment) zu berechnen. (Siehe auch Price Competition Emerges in Grid Hosting)
Zusammenfassung
Grid Hosting macht also nicht für alle Websites Sinn, da, im Falle von dynamischen Inhalten, eventuell die benutzte Software ausgetauscht werden muss; ausserdem sollte man sich genau ausrechnen was das Ganze im ungünstigsten Fall kosten könnte. Wenn man allerdings mit häufigen Traffic-Spitzen zu kämpfen hat, dann kann es durchaus sinnvoll sein sich ein wenig umzusehen. Ein Anbieter von Grid Hosting, den ich bei der Recherche gefunden habe, ist Media Temple. Wenn der Bedarf steigt, werden sicherlich auch andere folgen.
Wieso wird das Grid Hosting genannt? Das ist doch ein klasischer Load Balancer und mit dem in der Forschung befindlichen Gridbegriff bzw. Gridcomputing hat es auch wenig zutun. Da würden alle am Grid angeschlossenen Rechner als Ressource einen WebServer Service verbreiten und bei Bedarf »irgendwelche« Webseiten hosten.
@Jens: Der Begriff ist, zum Teil zumindest, sicherlich Marketing. Aber es geht auch hierbei darum, eine Ressource zur Verfügung zu stellen, die sich dynamisch an die Anforderungen anpassen kann. Es gibt einfach wenig Websites die eine Digg Frontpage-Platzierung unbeschadet überleben. Einfaches Load-Balancing ist bei dynamischen Websites nicht mehr so simpel zu realisieren, vor allem dann wenn Interaktivität im Spiel sein sollte. Der Begriff bringt zumindest die Intention hinter dem Service gut rüber.
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