Die Firma JazzMutant aus Frankreich hat mit ihrem Produkt Lemur eine Control-Surface (Eine kurze Erklärung zu dem Begriff findet sich am Ende des Beitrags.) auf den Markt gebracht, die für einiges Aufsehen sorgen dürfte.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern dieser Gattung, hat sie ein berührungsempfindliches 12″ Display und eine eigene CPU (genauer gesagt, eine CPU, eine GPU und eine FPU). Ersteres erlaubt eine fast unbegrenzte Anzahl von verschiedenen Controller-Konfigurationen, letzteres entlastet nicht nur den angeschlossenen Computer, sondern erlaubt es auch bestimmte Funktionalität intern vorzuhalten.
Der Anschluss erfolgt über ein Netzwerk-Kabel. Richtig, Netzwerk-Kabel; entweder ein Cross-Cable zum direkten Anschluss, oder ein normales Cat-5 Kabel zum Anschluss an einen Switch, Hub oder Router. Lemur verfügt über eine eigene IP-Adresse und kann somit nicht nur Software auf einem Computer per OSC (Open Sound Control) oder MIDI fernsteuern, sondern – bei Bedarf – auch auf mehreren.
Klingt als ob die Konfiguration etwas komplizierter wäre? Ganz im Gegenteil, na ja, vielleicht etwas übertrieben, ein wenig mehr Arbeit als beim Anschluss einer USB oder MIDI Control-Surface ist schon nötig, aber diese Arbeit wird durch einen graphischen Editor für Mac und PC erheblich erleichtert. Die Website der Firma zeigt beispielsweise wie sich Live von Ableton über den Lemur fernsteuern lässt. Hierzu werden die OSC-Messages in MIDI-Befehle umgewandelt. Ein Beispiel für ein OSC-fähiges Programm ist Reaktor von Native Instruments, wer jetzt plötzlich ein Glitzern in den Augen stehen hat, willkommen im Club.
Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Es besteht die Möglichkeit mehrere Computer mit laufendem Reaktor über einen Controller gleichzeitig fernzusteuern, soll heissen, ein Rechner fährt die Percussion, ein weiterer die Pads, usw. Die resultierenden Möglichkeiten lassen sehr viel kreativen Spielraum.
Mit OSC lässt sich aber noch einiges mehr anfangen, da auch Bibliotheken für Perl, Java, Python, Ruby und einige andere Programmiersprachen existieren. Nur so als Idee, der virtuelle Regler auf dem Lemur beeinflusst evtl. nicht nur die Klangquellen, sondern auch die Beleuchtung. Wie gesagt, nur so eine Idee.
Das Gerät ist mit ca. 2.200 € in der gehobeneren Klasse der Control-Surfaces anzusiedeln, aber der gebotene Funktionsumfang dürfte den Preis rechtfertigen.
Eine kurze Erklärung, was eine Control-Surface eigentlich ist und wozu man sie benutzen kann (aus Sicht eines Musikers, aber die Anwendungsmöglichkeiten beschränken sich nicht nur auf das Musik machen): Computer erlauben es, mit virtuellen Instrumenten und Mischpulten zu arbeiten. Die Regler dieser virtuellen Instrumente und Mischpulte werden mit der Maus bedient, das heisst, man kann immer nur einen Regler manipulieren. Es ist also nicht möglich, beispielsweise die Fader für zwei oder drei Inputs auf dem virtuellen Mischpult gleichzeitig zu bedienen. (Subjektiv gesehen, ich drehe auch lieber einen echten Regler oder schiebe einen echten Fader als diese Tätigkeiten virtuell mit der Maus durchzuführen.) Hier kommen die Control-Surfaces ins Spiel, sie erlauben es die Controller – die ja eigentlich nur virtuell im Computer existieren – mit einem mechanischen Gegenstück zu verbinden, als Protokolle hierfür existieren u.a. MIDI und eben OSC. Letzteres hat allerdings den grösseren Funktionsumfang und erlaubt die Verwendung von 32-Bit Werten für die Steuerung und auch für Rückmeldungen der Geräte.