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IMHO: Warum Musik-Abos nicht wirklich funktionieren können

Die Idee hinter der Methode Musik nicht zu kaufen, sondern zu abonnieren – also gegen einen monatlich zu entrichtenden Beitrag zu mieten – klingt, beim ersten Hinhören, plausibel. Man bezahlt einen fixen Betrag, sagen wir 20 €, und bekommt Zugriff auf den kompletten Katalog von verfügbarer Musik. Warum das Ganze – meiner Meinung nach – trotzdem nicht funktionieren kann, ist das Thema dieses Beitrags.

(Da das Ganze etwas länger geraten ist…)

Glenn Derene beleuchtet einige Aspekte zum Thema im Post State of MP3 Download, und ich möchte hier noch ein paar Gedanken hinzufügen, die das von mir prognostizierte Scheitern von Musik-Abos erklären.

Katalog? Welcher?

Da wir hier nicht von einer so genannten “Kultur-Flatrate” sprechen, stellt sich die Frage bei welchem Anbieter man das Musik-Abo denn abschliessen sollte. Die Chance einen Anbieter zu finden, der alle Künstler(innen) unter Vertrag hat die einem wichtig sind, tendiert gegen Null. Abhilfe könnte nur eine Art übergeordnete Instanz schaffen. Aber, ich bezweifle, dass sich alle Musik-Publisher darauf einigen können, das Abo nur über einen Anbieter zu vertreiben, und zwar aus dem einfachen Grund, dass dieser Anbieter dann die Preise diktieren könnte. Möglicherweise nicht die Abo-Preise, aber – für die Publisher wichtig – den Betrag den sie pro bezahlendem Kunden bekommen. Also würde sich das Ganze vermutlich eher so darstellen, wie der aktuelle Status Quo: Mehrere Anbieter buhlen um die Gunst des Kunden, was sich auch zum Vorteil der umworbenen Personengruppe auswirkt, nämlich bei der Preisgestaltung.

Bei einem Abo-Modell müsste man sich also entweder für einen Anbieter entscheiden, oder auf bestimmte Künstler(innen) oder Musikrichtungen verzichten. Die Alternative wären mehrere Abos – zum Preis von 20 € – bei verschiednen Anbietern; viel Spaß beim Überzeugen der Zielgruppe jeden Monat 60 € bis 80 € für das Recht Musik anzuhören auszugeben. So weit, so unrealistisch, aber es finden sich noch mehr Stolpersteine auf diesem holprigen Weg.

Territoriale Interessen

Die “Unterhaltungs-Industrie” hat sich unseren Planeten in Gebiete aufgeteilt, in denen die jeweiligen regionalen Statthalter das alleinige Recht haben Musik, Filme und TV-Serien gegen Entgelt anzubieten. Entweder, man versucht dieses Modell auf die Musik-Abos zu übertragen, oder die regionalen Statthalter werden überflüssig. Mit ersterem wird die Zielgruppe ein Problem haben, da nicht jedes Musikstück in jedem Land verfügbar ist. Bei CDs gab es immer noch die Möglichkeit den eigenen Musikgeschmack, durch die Zahlung von exorbitanten Preisen, mittels so genannter “Imports” zu befriedigen; sich also CDs zu kaufen, die im eigenen Land eigentlich nicht erhältlich waren. Nun hat aber die Film-Industrie, also die gleichen Konglomerate zu denen auch die Musik-Industrie zählt, trefflich bewiesen das ihr die Interessen der Kunden und der Verkäufer(innen) ihrer Produkte völlig egal sind. Wie? Fragen Sie doch einmal ehemalige Besitzer(innen) und Angestellte von DVD-Läden, die ihr Auskommen hauptsächlich mit dem Verkauf von Ländercode 1 DVDs bestritten haben. Die meisten dieser Läden haben den Ansturm der Anwälte eben jener Medien-Konglomerate nicht überstanden, und waren geschweige denn in der Lage, dieses Vorgehen ihren Kunden(innen) begreiflich zu machen. Wer würde das Risiko eingehen, Verträge mit Publishern abzuschliessen – die ihre Wankelmütigkeit dadurch bewiesen haben, dass sie den Verkauf von Ländercode 1 DVDs so lange zuliessen, solange zu wenig Material vorhanden war um den Verkauf der Abspielgeräte im jeweiligen Land zu forcieren und bei erreichtem Sättigungsgrad mit der Anwaltskeule zuschlugen – um dann das digitale Äquivalent von “Import CDs” zu vertreiben? Eben, trau schau wem. Oder, wer einmal lügt dem glaubt man nicht. Es ist anzuzweifeln, ob irgendjemand Lust hat, den Kunden(innen) auch diesmal zu erklären, dass sich eben die Rechteinhaber anders entschieden haben und die “gemietete” Musik nun nicht mehr zur Verfügung steht.

Ebenso werden sich die territorialen Statthalter wohl kaum ihr gutes Auskommen nehmen lassen, ohne ausreichend dafür kompensiert zu werden. Dies würde bedeuten, dass entweder die Preise erhöht werden müssten, oder der Status Quo erhalten bleibt.

“Secret Option” Nummer drei: Musik mit Ländercodes. Klingt unglaubwürdig? Versuchen sie mal mit einer deutschen Adresse ein Lied in einem ausländischen Webstore zu erwerben. Und damit wären wir wieder am Anfang dieses Abschnitts; ein – für die Medien-Industrie – tödlicher Kreislauf. Es wäre übrigens interessant, wie viele der so genannten “Piraten” gerne für das Material bezahlen würden, wenn man sie nur liesse. Und damit ist nicht “nimm was wir dir hier anbieten und wag es ja nicht auch noch Ansprüche zu stellen” gemeint. Weiter zum nächsten Stolperstein.

Wachstum

Unternehmen in kapitalistischen Systemen sind darauf ausgelegt stetig zu wachsen; spricht ja auch nichts dagegen. Aber – vorausgesetzt die bis jetzt angesprochenen Probleme liessen sich lösen – wie soll sich, wenn der Markt erst einmal gesättigt ist, weiteres Wachstum einstellen? Gut, jeden Tag werden potentielle Kunden(innen) geboren, aber mit den Wachstumsraten von denen Investoren ausgehen, hat das nichts zu tun. Woher soll das Wachstum dann kommen? Konstante Preiserhöhungen wird die Zielgruppe nur bis zu einem gewissen Grad schlucken, und dann? Rein wirtschaftlich gesehen, wäre – im Erfolgsfall – das Ende der Fahnenstange irgendwann erreicht, und dann stagniert das Ganze. Ich fürchte die Sache mit dem “Wachstum” ist, bis jetzt, das Totschlagsargument schlechthin. Aus dieser Warte betrachtet müssten die Publisher entweder ihr Geschäftsmodell verändern, oder die Idee gleich wieder beerdigen, sorry. Alle, die diesen Beitrag aus rein wirtschaftlichen Interessen gelesen haben sei gesagt, dass ab jetzt die “menschliche Komponente” ins Spiel kommt. Die Kunden, welche die Gehälter in der Musik-Industrie letztendlich bezahlen sollen, und daher vom (Gegen-)Wert des Modells überzeugt werden müssen.

Musikhören hat eine soziale Komponente

Liebe Musikindustrie, so sehr ihr auch davon träumt, eure Kunden(innen) werden es nicht akzeptieren, dass ihr der Meinung seid, Musik liesse sich nur für die Ohren der Käufer(innen) “freischalten”. Es war schon immer so, dass ihr mehr Datenträger verkauft habt, wenn man die eigene Begeisterung für eine(n) Künstler(in) mit anderen teilen konnte, ohne sich gleich strafbar zu machen, ist das so schwer zu begreifen? Solange also ein Abo-Modell nicht die straffreie Weitergabe an Freunde(innen) und Familie beinhaltet, schränkt ihr nicht nur eure Verkäufe ein, sondern schadet auch den Künstler(innen) in deren “Aufbauarbeit” ihr so viel Geld steckt.

Dieses Problem liesse sich nur dann in den Griff bekommen, wenn alle Freunde(innen) und Verwandte bei einem Anbieter als Kunden(innen) registriert wären, was, wie bereits ausgeführt, nicht der Fall sein wird. Und um die – zu Recht – befürchteten Auswirkungen von vorn herein im Keim zu ersticken, wird dann die, so wie es scheint, beliebteste Tätigkeit von musikalischen Interessenverbänden wieder aufgenommen, nein, nicht neue Talente zu finden und diese zu fördern um neue Kunden zu gewinnen.

Die Entwicklung von Schutzmassnahmen (DRM)

Es ist verständlich, dass die Rechteinhaber(innen) vermeiden wollen, ihre Produkte “in freier Wildbahn”, also unbezahlt, aufzufinden; also wird die “gemietete” Musik “geschützt”. Soll man sich das dann so vorstellen, dass vor jedem Lied ein Jingle “Musikhörer(innen) sind Raubkopierer” abgespielt wird – welches man natürlich nicht überspringen kann? (DVD-Käufer(innen) wissen wovon die Rede ist.) Ich fürchte, die Zielgruppe stellt sich unter “ungetrübtem Musikgenuss” etwas anderes vor. Gar nicht zu reden von so unglaublichen Forderungen wie, “als Kunde möchte ich entscheiden, womit ich meine Musik anhöre”, welche die Musik-Industrie mit einem entschiedenen “ihr macht gefälligst was wir wollen” beantwortet. Das mit der “Kundenbindung” solltet ihr nochmal überdenken, ernsthaft. Eine weitere zu nehmende Hürde ist psychologisch bedingt.

Menschen sind immer noch “Jäger und Sammler”

Es liegt nicht nur in der Natur des Menschen, sondern speziell in der Natur von Musik-Liebhaber(innen), ihre “Schätze” auch besitzen zu wollenDie Konsumenten(innen) von musikalischer Massenware mal ausgenommen, diese werden die Abo-Modelle toll finden; aber ihre Loyalität zu einem Platten-Label ist in Frage zu stellen. Wer den nächsten “In”-Song mit genügend Hype in die Werbung bringt, ist der nächste Lieferant; der “alte” hat ausgedient.. Wer sich also mit “Nischen-Musik” beschäftigt, in meinem Falle Jazz und obskure Elektro-Musik, muss nicht nur versuchen den richtigen Lieferanten zu finden, sondern auch noch das Vertrauen investieren, dass eben dieser Lieferant auch noch in 20 Jahren existiert. Bei einer derart schnell-lebigen Branche, kann ich jedenfalls dieses Vertrauen nicht aufbringen, es wäre schön, wenn ich mich irre.

Fazit

Kein besonders guter Ausgangspunkt um Musik-Abos zu etablieren. Die ProtagonistenAntagonisten der Musik-Liebhaber(innen)? werden noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Natürlich ist dies meine subjektive Meinung. ;)

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Möglicherweise auch interessant (aber nicht zwingend in diesem Zusammenhang):



Musik im Abo? | Erik, Wortjongleur schrieb,

September 5, 2007 @ 10:29 am

[...] Ich habe im Beitrag IMHO: Warum Musik-Abos nicht wirklich funktionieren können darüber spekuliert, warum das Konzept der “Miet-Musik” eigentlich nicht funktionieren kann. Der Beitrag hat zwar auch kulturelle Relevanz, aber ist dann doch eher in die technisch / wirtschaftliche Ecke abgewandert. Oder anders gesagt: Der Beitrag war eigentlich für den “Wortjongleur” gedacht und hat beim Schreiben ein Eigenleben entwickelt, daher hier nur ein Hinweis darauf. [...]

Von Musik im Abo? | Erik, Wortjongleur am September 5th, 2007

nenene schrieb,

February 6, 2010 @ 3:00 am

Es funktioniert.
Und ich finds super.
Napster z.B.

Von nenene am February 6th, 2010

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