IMHO: JEDE(R) der / die eine Website betreibt sollte sich mit SEO befassen

Tatsächlich, in der Titelzeile findet sich das böse Wort SEO, böse deswegen, weil man beispielsweise nach der Lektüre des Posts 10 Merkmale anhand derer Sie im realen Leben einen Webmarketingprofi erkennen, auch wenn er satirisch gemeint ist (oder?), den Eindruck gewinnen könnte, dass alles was mit der Optimierung einer Website für Suchmaschinen zu tun hat, zumindest fragwürdig zu sein scheint. Da das Thema zugegebenermassen etwas komplexer ist, eins nach dem anderen.

Warum werden Websites und / oder Blogs erstellt?

Kurze Antwort: Entweder aus altruistischen oder kommerziellen Motiven.
Wäre schön, wenn die Welt so einfach gestrickt sein sollte, oder? Daher folgt jetzt die
Lange Antwort: Wer einen Blog (Ab jetzt erspare ich mir den Zusatz “oder Website” bzw. “oder Blog”, OK?) produziert, steckt Zeit, Energie und Geld in diese Arbeit. Die Beweggründe sich darauf einzulassen sind so vielfältig wie das Internet selbst, aber in den meisten Fällen machen wir uns doch die Arbeit weil wir wollen, dass sie von anderen gelesen wird. In dieser Beziehung unterscheidet uns nichts von anderen Medienschaffenden.

Stichwort Medienschaffende, versuchen wir uns doch einmal eine Zeitung vorzustellen, die unter allen Umständen verhindern will, dass auch nur ein Exemplar verkauft wird. Wenn es dem Herausgeber gefällt, bitte. Aber, wieso sollten die Journalisten dann überhaupt etwas zu Papier (oder in den Computer) bringen? Gute Frage. Wenn wir einen Blog schreiben, dann sind wir (meistens) Journalisten und Herausgeber in Personalunion. Um beim Stichwort zu bleiben, es wäre für alle Schreiberlinge doch frustrierend, wenn niemand die Arbeit, die sie sich gemacht haben, zu Gesicht bekommen würde, oder? Wir wollen doch, dass jemand unsere Beiträge liest. Also, tief Luft holen und den folgenden Satz laut aussprechen:

Ich möchte, dass jemand meine Posts liest.

War doch nicht so schwer, oder? Nachdem das jetzt vom Tisch ist, sollten wir uns mit ein paar Mythen befassen.

Mythos: Wenn die Inhalte gut sind, kommen die Besucher von alleine

Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Nur um mal eine Perspektive zu bekommen, sollte man sich die Internet Maps von Bill Cheswick ansehen. Unsere Blogs teilen sich vermutlich mit ein paar hundert anderen einen Pixel auf dieser Karte. Wenn wir also möchten, dass jemand die Früchte unserer Arbeit zu Gesicht bekommt, müssen wir irgendwie dafür sorgen, dass man uns finden kann. Und zwar immer dann, wenn jemand nach einem Thema sucht, zu dem wir etwas zu sagen haben. Wie findet man Informationen im Internet? Mit Suchmaschinen. Wie gelangt eine Suchmaschine an die Information was sich auf unserer Website befindet? Indem sie die so genannten “Spiders” permanent das Internet durchforsten lässt. Da diese Spiders aber nur dumme Programme sind, fehlt ihnen die Möglichkeit die Qualität einer Website zu beurteilen, so weit, so schlecht. Um dieses Manko auszugleichen, gehen die Spiders von bestimmten Annahmen aus, um die Qualität einer Website trotz ihrer Dummheit zu beurteilen, auch als Indizieren bekannt. Und damit kommen wir zum nächsten Mythos.

Mythos: Google hat etwas gegen SEO

Um diesen Mythos ein für alle mal zu den Akten zu legen, wenn Google tatsächlich etwas dagegen hätte, warum macht die Firma sich dann die Arbeit die Google Webmaster Guidelines zu publizieren? Ganz einfach, es liegt im Interesse von Google, dass sich Websites gut indizieren lassen. Je besser Google eine Website indizieren kann, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Suchergebnisse für die Suchenden interessant sind.

Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, wenn bei einem Suchbegriff, der in eine beliebige Suchmaschine eingegeben wurde, eine grössere Anzahl von Links zu Seiten führt, die mit dem gesuchten Thema eigentlich wenig bis nichts zu tun haben? Um genau das zu verhindern, hat Google die genannten Guidelines herausgegeben. Nochmal, Google möchte dass die Websites gut zu indizieren sind, um die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern. Wir sollten immer daran denken, Google (und andere Suchmaschinen) leisten eine Heidenarbeit um zumindest Teile des Internets zu katalogisieren. Im Gegenzug erwarten die Suchmaschinen-Betreiber von uns, dass wir uns an bestimmte Spielregeln halten und den Spiders keine unnötigen Hindernisse in den Weg legen.

Anders gesagt: Wenn wir gefunden werden wollen, dann erwarten die Suchmaschinen, dass wir uns die Arbeit machen und die Websites für sie optimieren.

Mythos: SEO ist illegal oder zumindest fragwürdig

Woher kommt dieser Mythos? Ganz einfach, wie im wirklichen Leben, es ist nicht alles schwarz oder weiss. Daher auch die Ausdrücke “White-Hat-SEO” und “Black-Hat-SEO”. Die mit den schwarzen Hüten sind die “bösen”. Dieser Typus wird auch von den Suchmaschinen nicht sonderlich geschätzt. Wir erinnern uns: Suchmaschinen brauchen qualitativ hochwertige Suchergebnisse, sonst wandern die Benutzer – also ihre Kunden – ab. Nachdem niemand gerne Kunden verliert, verbringen die Suchmaschinen-Betreiber einen, nicht unbeträchtlichen, Teil ihrer Zeit damit, die “bösen” zu erwischen. Warum hört man dann so wenig von “gutem” SEO? Die Antwort lässt sich in einem Satz auf den Punkt bringen, den jeder Journalist kennt: “Schlechte Nachrichten verkaufen sich besser.” Die angesprochenen Mythen tun ein übriges. Der Reflex “SEO” mit “böse” in Verbindung zu bringen, entspricht ungefähr der typischen Reaktion auf “globale Erwärmung” und ähnlichen Themen. ;-) Aber das wissen wir ja jetzt besser, daher auf zum nächsten Mythos.

Mythos: SEO ist schwierig

Kommt darauf an, was man erreichen möchte. Ich halte erstmal dagegen: “SEO ist ein gewisses Verständnis wie das Internet, und speziell die Suchmaschinen funktionieren.” Eine kurze Begebenheit illustriert diesen Satz am einfachsten.

Eine Bekannte von mir hat eine Galerie. Diese Galerie hat eine Website. Die Website sitzt aber auf einer Domain anderen Namens. Nicht optimal, aber die Suchmaschinen indizieren ja schliesslich auch die Inhalte der Websites. Als ich die Dame einmal anrufen wollte, hatte ich, ausser einem Computer mit Internet-Verbindung, keine Möglichkeit die Telefonnummer der Galerie herauszubringen (komplizierte Geschichte, aber in diesem Zusammenhang nicht weiter wichtig). Da ich mir den Namen der Domain aus irgendeinem Grunde nicht merken kann, gab ich einfach den Namen der Galerie in eine Suchmaschine ein. Jede Menge Links, aber nicht zur Galerie. Ich hatte die Website doch klar vor Augen, der Name der Galerie war die erste Überschrift auf der Startseite; ausserdem war die Website alt genug um indiziert zu sein. Nächster Versuch, diesmal suchte ich nach der Adresse und, bingo, die Website war das erste Ergebnis in der Liste. Aber im Suchergebnis wurde der Domain-Name und nicht der Name der Galerie angezeigt. Nun wurde ich neugierig. Im Source-Code der Website fand ich den Grund: Die Überschrift war eine Grafik und der Name der Gallerie wurde sonst nirgends erwähnt, kein Meta, nichts. Ich habe ihr diesen Umstand natürlich sofort mitgeteilt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Einfügen eines Meta-Tags, und die Verwendung des title-Attributs sind bereits eine SEO-Massnahme. Nichts weltbewegendes, aber eine Unterstützung für die Spiders, die mit Grafiken nun mal nichts anfangen können. Jemand der ein minimales Verständnis dafür hat, wie Suchmaschinen vorgehen, hätte diesen Fehler nicht gemacht. So einfach ist das. Warum wird SEO nochmal als böse bezeichnet? Gute Frage, aber zurück zum Mythos.

Suchmaschinen-Optimierung bedeutet in diesem Zusammenhang also nur, dass wir es den Spiders erleichtern möchten, unsere Blogs “abzugrasen”. Dabei geht es eigentlich nur um simple Dinge wie den Titel der Seite, auf der ein einzelner Post dargestellt wird. Die Grundeinstellung der meisten Blog-Systeme erzeugt oft Titel wie Blogname >> Posttitel. An sich kein Problem, aber, Hand aufs Herz, sehr übersichtlich stellt sich das in einer Liste von Suchergebnissen nicht dar, oder? Auch diese kleine Änderung ist bereits SEO. Sehr verwerflich. ;-) Wer es trotzdem mit seiner moralischen Integrität vereinbaren kann, sollte im Internet nach Lösungen zu solchen Fragen suchen und den Suchmaschinen die Arbeit erleichtern. Als Tip für alle die WordPress als Blog-System der Wahl benutzen, beim Mediadonis finden sich im Post Pimp my WordPress bestimmt noch einige Anregungen.

Interessant ist auch, wie eine Suchmaschine eine Website indiziert hat. Wer beispielsweise wissen möchte, wie die eigene Website von Google gesehen wird, kann dies mit folgendem Befehl in der Google Suchmaske sehen:
site:[meineWebAdresse]
So werden alle indizierten Seiten der Webadresse aufgelistet. Wer wissen möchte, welche Seiten der eigenen Webpräsenz Google zu einem bestimmten Thema indiziert hat, wird mit
site:[meineWebAdresse] [Suchbegriff]
fündig. Man sollte sich aber auf Überraschungen gefasst machen. Das ist übrigens auch schon SEO, sehr böse. Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, wissen zu wollen, was eine Suchmaschine aus der mühevoll geleisteten Arbeit gemacht hat? Nur noch verwerflich. Oder? Dachte ich mir doch.

Fazit: SEO ist das, was man daraus macht

Anders ausgedrückt, wer seine Websites / Blogs für Suchmaschinen optimiert, bekämpft eigentlich die Spammer, die versuchen die Suchergebnisse zu verwässern. “SEO ist eine gute Tat”, scheint mir etwas hoch gegriffen, aber trotzdem. Hören wir endlich auf, auf die “SEO-Spammer” zu schimpfen und leisten unseren Beitrag zu guten Suchergebnissen. ;-)

[Ich bin mit Links zu SEO-Resourcen in diesem Beitrag bewusst sparsam umgegangen; auf diese Weise können mir gewisse Leute keine unlauteren Motive unterstellen. ;-) Wer gute Links zum Thema haben sollte, bitte die Kommentarfunktion benutzen. Nein, hierbei handelt es sich nicht um "Comment-Baiting" und … Mist, jetzt habe ich mich auch vom allgemeinen Rechtfertigungszwang, der mit dem Thema einhergeht, anstecken lassen. (Wer Satire gefunden haben sollte, darf gerne darüber berichten. Schon wieder! Ich bin jetzt weg.)]

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7 Responses to IMHO: JEDE(R) der / die eine Website betreibt sollte sich mit SEO befassen

  1. “Ethisches SEO” ist ein wundervoller Begriff, er wird IMHO großen Anteil am künftigen Erfolg der Wissenschaft der Seoziologie haben.

    Zum Artikel : die ganze Welt ist Marketing (inkl. so banaler wie kompliziertneurotischer Dinge wie zB dem menschlichen Paarungsverhalten). Selbst Fundraiser für zB Behindertenprojekte oder für Hilfsprojekte zugunsten schwer erkrankter Menschen müssen auf die selben Prozeduren und Hilfsmittel des Marketings zurückgreifen um Hilfe in Form von Geld, Leistungen oder Sachmittel aufzutreiben. Das Wie? allerdings ist eine Sache von Stil, Anstand und Geschmack. Und schwarze Schafe (auch unter den Charity Organisationen) schaden einer ganzen Branche. Marketing per se ist genauso wenig böse wie SEO oder Webpromotion.

    Dasselbe Problem hat SEO – fanatische humorlose Kids und Keiler schaden hier auch jenen die ehrliche und fachkompetente Dienstleistung in der Webvermarktung und -promotion anbieten (so wie Pennystockpusher und Abzocker jeder seriösen Börsencommunity schaden). Und wie bei jeder “Religion” (Achtung : Ironiemodus eingeschalten) ist es für das Ansehen der Glaubensrichtung als Ganzes von großer Bedeutung dass der gemäßigte Teil der Gemeinde sich von radikalen Gruppen innerhalb der Sippe glaubwürdig distanzieren kann ;)

    Mit freundlichen Grüßen
    Unterneuntupfing Aktuell

  2. Erik says:

    Genau diese Distanzierung verschwindet aber leider meist im allgemeinen Getöse, daher der Artikel.

    Übrigens, müsste es nicht trotzdem “SEOziologie” heissen? Könnte ein interessanter Wissenschaftszweig werden. ;-)

    Erik

  3. Ich würde bei Seoziologie bleiben. Weil die Leute die dann das betreiben werden sicherlich von dem Schlage sein der aufs Binnen-I besteht und der Gross/Kleinschreibungsmix der dann entstünde “SEOziologInnen” erinnert an das pubertierende Gebrabbel der PISA-Kids in Jugendcommunities… ;)

    Schöner Gruß
    Unterneuntupfing Aktuell

    P.S:
    Wenn Dir nicht vor meinem PageRank ekeln sollte ;) würde es mich freuen wenn Du Deinen Beitrag bei meinem Artikel auf U9TA durch Kommentar verlinkst. Wer meins findet sollte anschließend auch Deinen Artikel lesen…

  4. Erik says:

    OK, Leitung > Ich. :-(

    Soll heissen, ich stehe jetzt augenscheinlich auf der Leitung. Du solltest eigentlich einen Ping, bzw. Trackback von meinem WordPress erhalten haben. Ich vermute mal, dass Du entweder die Pings ausgeschaltet hast, oder diese moderiert werden. Wenn das nicht geklappt haben sollte, kann ich natürlich einen Kommentar auf U9TA schreiben, aber eigentlich sollte das alles automatisch ablaufen.

    Oder stehe ich jetzt wirklich auf der Leitung?

    Erik

  5. Guckstu bitte in Deinen Postkasten.
    Schönen Abend, U9TA :)

  6. Danke für diese Stimme der Vernunft. Menschen denken oft ich sei ein Betrüger wenn ich sage ich betreibe SEO.

  7. Erik says:

    @Tadeusz: Bitte, so war der Beitrag auch gedacht.

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