Full HD war gestern, jetzt wird in 4K ausgeliefert

Während manche sich noch Gedanken darüber machen ob es wirklich nötig ist Footage in HD zu schiessen, ist ein Trend zu beobachten, der solche Überlegungen eigentlich obsolet macht. Ich habe aus gut unterrichteten Kreisen gehört, dass manche (read immer mehr) Studios Digital-Footage nur noch in 4K akzeptieren.

Nein, die gerade erst gekaufte Kamera ist damit nicht sofort veraltet, aber so wie es aussieht sollte man in der Planung die Tatsache beachten, dass die Auflösung eine immer grössere Rolle spielen wird, vor allem dann, wenn man im Auftrag produziert. Logischerweise kommen nun sofort alle Weltuntergangslyriker™ auf den Plan und werfen mit Sätzen wie “braucht doch keiner” oder “ist viel zu sperrig um das zu schneiden” um sich. Mag sein, aber wenn die Auftraggeber(innen) auf 4K bestehen, sind das nun mal keine Argumente.

Warum 4K?

Ganz einfach, aus dem selben Grund aus dem man heutzutage keine PAL-/NTSC-Aufnahmen mehr machen sollte, wenn man das Material in ein paar Monaten noch verwenden möchte. Die meisten Produktionen werden momentan im so genannten Full HD durchgeführt, wenn es sich um Produktionen für das Fernsehen oder Blu-ray Discs handelt. Da gerade letztere aber hauptsächlich für Kinofilme genutzt werden, ist es wahrscheinlich, dass der Master eine deutlich höhere Auflösung als Full HD also 1920×1080 hat.

Hintergrund ist auch, dass konventionelle Kinotechnik (analog) mit ca. 1K projiziert, aber 2K-Projektoren in Kinos mit digitaler Ausstattung eigentlich schon zum Standard gehören. Da sich auch diese Technik mit grossen Schritten weiterentwickelt, sind 3K- und 4K-Projektoren auch schon ausserhalb von Kinos und Screening-Rooms von Filproduktionsfirmen anzutreffen. AMC hat bereits einen entsprechenden Deal mit Sony geschlossen, und andere Kinoketten werden sicherlich folgen. Auch in Deutschland sind die Sony-Projektoren mit 4K bereits angekommen. Wir bewegen uns also mit hohem Tempo auf eine digitale Zukunft zu, in der 4K einfach die so genannte “native Resolution” der Wiedergabegeräte ist.

Das NHK schon vor drei Jahren mit 8K x 4K Displays experimentiert hat sollte den meisten noch in Erinnerung sein. Die Einschätzung, dass es, wie bei HD, nochmals ca. 30 Jahre bis zur Einführung der neuen Technik dauern soll, kann ich allerdings nicht teilen. Auch wenn das “normale” Fernsehen sich aktuell mit der Einführung von HD etwas schwertut, Projektoren mit einer höheren Auflösung als 1920×1080 sind mittlerweile schon angekündigt, und die ersten Geräte für das Heimkino werden auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Was ist der Vorteil von 4K?

Wenn das Ausgangsmaterial eine höhere Auflösung als das eigentliche Ergebnis hat, hat man einfach mehr Reserven. Bei einer Aufnahme in 2K oder 4K kann man bei Bedarf einfach den gewünschten Ausschnitt wählen und hat immer noch “Full HD” als Auflösung. Wer aufmerksam die Bildqualität von aktuellen Produktionen betrachtet wird feststellen, dass manche Szenen – vor allem typische Stock-Shots wie Landschafts- oder Städteaufnahmen – irgendwie nicht zur restlichen Optik des Films passen. In vielen Fällen wurde die Auflösung dieser Stock-Shots einfach “aufgepumpt”, weil das Material nicht in der benötigten Auflösung vorlag.

Und wie geht es weiter?

Der/die geneigte Leser(in) sollte einfach einmal einen Blick auf die EPIC von RED werfen, diese Kamera zeichnet in 5K RAW auf und kann über HD-SDI 720p, 1080p oder 2K direkt ausgeben. (BTW: Wer jetzt gerade seine Kreditkarte sucht um eine Bestellung aufzugeben, die Frist für Reservierungen ist am 5. Mai 2010 abgelaufen.)

Wer über einen genügend grossen Bildschirm (und eine flotte Leitung) verfügt, kann sich diese MacBreak in 4K auf YouTube ansehen. Richtig gelesen, YouTube unterstützt mittlerweile das Streaming von 4K-Inhalten. Der Nachteil hierbei liegt auf der Hand, das “mal schnell vom Produktionsrechner des Data-Wranglers herunterladen und schneiden” erfordert – je nach Internetanbindung – einiges an Geduld; statt auf den Ablaufbalken zu starren, sollte man parallel eine Runde Mahjong oder Backgammon spielen, sonst wird der Vorgang schon sehr nervig.

Die grossen Gewinner dieser Entwicklung sind die Hersteller von Speichermedien. Die My Book Studio Edition II wird in Filmproduktionen wohl eher einer untergeordnete Rolle spielen. Aber 4TB sind nicht zu verachten, auch Consumer-Kameras werden auf längere (meinem Bauchgefühl nach eher auf kürzere) Sicht vermutlich nicht bei 1080i/p verharren, und dann werden auch ambitionierte Amateure zu Data Wranglern werden.

Fazit

Auch wenn die aktuelle Produktion die Verwendung einer 4K-Kamera nicht hergeben sollte, Stock-Shots in 4K zu schiessen dürfte sicherstellen, dass man die Aufnahmen auch in den nächsten Jahren in jeder Lebenslage benutzen kann, ohne dass es dem/den Zuschauern(innen) deutlich auffällt. Eine RED ONE dürfte beim Kameraverleiher des Vertrauens, je nach Ausstattung, so um die 800 bis 1.000 Euro pro Tag kosten (reines Bauchgefühl meinerseits, einfach mal nachfragen). Wenn es die Produktion hergibt, sollte man auf jeden Fall darüber nachdenken. IMHO, of course. ;-)

Nur ein Wort der Warnung: Seitdem ich einmal mit einer RED ONE gearbeitet habe, wirken “normale” Kameras irgendwie einschränkend, YMMV.

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