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Brüllwerbung: Wenn einen der Fernseher unvermittelt anplärrt

Jede(r) kennt sie, jede(r) liebt sie, die “audio-kompressionstechnisch aufgepäppelten Produktinformationen”, vulgo “Brüllwerbung”. Allerdings könnte(n) manche(r) sich dagegen wehren und hat das nötige Equipment eventuell sogar schon im Haus.

Die Situation ist bekannt, man sieht sich einen Film oder eine Serie im Fernsehen an, die Lautstärke ist so geregelt, dass niemand über Gebühr belästigt wird, und plötzlich plärrt das Fernsehgerät aus Leibeskräften so genannte Produktinformationen in die Wohnung. Am frühen Abend ist das Ganze bestenfalls ärgerlich, des Nächtens ist aber anzuzweifeln, dass die Nachbarn Interesse haben die beworbenen Telefonnummern anzuwählen oder sich so genannte “Hits” als Klingeltöne auf den Kommunikationsknochen zu laden – so zumindest meine Vermutung. Rätselhaft wird das Ganze, wenn das TV-Gerät der Wahl eigentlich über einen eingebauten Lautstärkenbegrenzer verfügt, welcher dem / der Besitzer(in) derartige Qualen ersparen sollteDie Haushalte männlicher Singles, welche eine bestimmte Sorte nächtlicher Spots zu ihrem Vorteil nutzen und auf bewundernde Blicke der Nachbarn spekulieren, mal aussen vor. Dort bleibt der Begrenzer natürlich ausgeschaltet.. Die Erklärung ist relativ einfach: Audio-Kompression.

Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, damit lässt sich lauter machen, was eigentlich leiser ist – ohne die Lautstärke anzuheben. Der Begrenzer im Fernseher hat also keine Chance, da sich die Lautstärke nur “gefühlt” (gehört?) verändert hat. Wer sich die verblüffenden Beispiele auf der Website der Westpark Studios anhört (auf “Kostproben” und dann “Lautstärke im Werbeblock” klicken), weiss wovon ich rede (herzlichen Dank an Onkel Loco für den Link).

Eine kurze Recherche im Internet, ob diese virtuelle Lautstärkenanhebung Absicht sei, förderte nur Antworten im Sinne von “Niemand hat die Absicht die Nachbarn aufzuwecken…” zu Tage. Nun könnte man ja einfach reagieren und Sender, welche sich diese Praktiken der akustischen Folter zu eigen machen, einfach nicht mehr ansehenOder die Sendungen aufzeichnen und die Werbung überspringen – solange das noch nicht strafbar ist., aber ein Wechsel auf öffentlich rechtliche Sendergruppen oder Pay-TV bringt hier auch nicht die gewünschte Erlösung. Im ersten Fall wird man zwar ab 20:00 Uhr, im zweiten Fall zumindest während der Spielfilme und Serien, von Werbung verschont, aber wenn sie kommt, dann brüllt sie genauso. Und das Anbrüllen ist nicht nur auf Werbung beschränkt, die Sendehinweise der öffentlich rechtlichen Sender brüllen gebührenfinanziert 24 Stunden am Tag, gleiches gilt auch (neben der Werbung) für die Sendehinweise auf den Pay-TV-Sendern.

Wer sich nun auf das grundsätzliche Aufzeichnen der Sendungen zurückziehen möchte, hat zwar mein Verständnis, aber praktikabel erscheint mir das Ganze nicht (subjektiv gesehen, natürlich). Am Anfang war die Rede davon, dass man eventuell schon eine Gegenmassnahme im Haushalt haben könnte. Einschränkend muss hierzu allerdings, in bester Internet-Manier, gesagt werden KFMAN (könnte funktionieren, muss aber nichtAnglophil angehauchte Zeitgenossen(innen) kenne den Ausdruck als YMMV (your mileage may vary).).

Die Fähigkeit des Fernsehers die Kompression zu erkennen, setzt das Vorhandensein eines digitalen Signalprozessors (DSP) voraus“Feuer mit Feuer bekämpfen…” und so.. Also genau das Gerät, mit dessen Hilfe die Kompression erzeugt wurde. Die DSPs in den meisten Fernsehern werden allerdings nur zur Klangverbesserung oder für Raumklang benutzt, verfügen also entweder nicht über die Funktionalität die zur Abwehr benötigt würde, oder aber werden einfach nicht entsprechend angesteuert. Viele TV-Geräte lassen aber den Anschluss eines Verstärkers und / oder einer Stereoanlage zur Ausgabe des Tons zu. Die DSPs die in neueren Stereoanlagen (ca. seit 10 Jahren) verbaut werden, sind aber durchaus in der Lage der akustischen Umweltverschmutzung Einhalt zu gebietenBitte jetzt aber keine falschen Hoffnungen machen, die Dialoge oder die Musik wird dadurch nicht besser, man kann nur die Lautstärke, bzw. die gefühlte Lautstärke, in den Griff bekommen..

Wenn ihr Verstärker / Endstufe / sonstiger Klangerzeuger eine Einstellung wie “Midnight Theater” oder ähnlich (bitte in den Handbüchern nachsehen) zur Verfügung stellt, dann wäre es auf jeden Fall einen Versuch wert. Wie gesagt, KFMAN. ;)

Über Rückmeldungen (hoffentlich erfolgreich) würde ich mich freuen.

[update 23.8.2007: Anscheinend wir der Angriff nicht nur vom Fernseher aus geführt, auch die Musik ist betroffen. Der Beitrag The Future of Music beleuchtet das Problem genauer. ]

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Möglicherweise auch interessant (aber nicht zwingend in diesem Zusammenhang):



Rick schrieb,

August 14, 2007 @ 5:40 pm

Nun, ich bin sicher nicht mehr auf dem Brüllenden, aber Herr Hitachi wollte diesen Werbunglauter-Effekt ja mal entsprechend nutzen, meiner mündlichen Info nach sind die Teile aber aus juristischen Gründen schon wieder vom Markt.
Für den Qualitätsfernseher von heute ist das Phänomen ohnehin von enden wollender Bedeutung:
a) entweder weil sie arte oder noch extremer gucken (werbefrei)
b) oder schon die nächste Transzendenzstufe erreicht haben: UmO (Untertitel mit Originalstummschaltung)
c) letzte Transzendenzstufe: Fernseher verkauft, es werden wie bei den egozentrischen Bloggern die fast nur ihr eigenes Zeuchs lesen nur mehr die selbstgedrehten Videocasts geguckt, und das natürlich auf einem ubuntubetriebenen iPhone.

Von Rick am August 14th, 2007

Erik schrieb,

August 14, 2007 @ 5:57 pm

Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir die mündlichen Informationen bezüglich des DVD-Recorders genauer ausführen könntest (natürlich unter Berücksichtigung des TechNovelty-Zeugenschutzprogramms).

Zu a) Als begeisterter arte-Seher muss ich Dir leider mitteilen, dass auch arte (wie in “auch Du mein arte”) die Inserts mittlerweile öfter mal brüllen lässt; nicht so übertrieben wie die meisten anderen, aber trotzdem.

Zu b) Gerade beim UmO, oder auch AaO (Autoumschaltung auf O-Ton) bei Premiere erlebt man sein ohrenzerschmetterndes Waterloo, die Inserts von Premiere sind, gegenüber Filmen im O-Ton, unglaublich laut. Man möchte fast meinen, dass das etwas mit dem Weggang von Herrn Kofler zu tun haben könnte. Ähnlich wie die Lebensmittelgeschäfte, die kurz nach Öffnung bzw. kurz vor Ladenschluss (kurz wie in ca. 2 Stunden) die Kunden durch leere Regale dazu erziehen möchten doch gefälligst in der Kernzeit von 10:30 – 14:30 im Laden zu erscheinen. Man wird sehen.

Zu c) Bringe ich nicht übers Herz. Dazu sehe ich viel zu gern Filme und gute Serien. Die Bildschirmdiagonale des iPhones hat mit Filmen wie “Brothers Grimm” oder “2001″ einfach Probleme, oder meine Augen lassen altersbedingt nach. ;)

Von Erik am August 14th, 2007

Rick schrieb,

August 14, 2007 @ 6:07 pm

…meine Augen lassen altersbedingt nach…
Dafür durftest Du Lauscher haben auf die selbst Fledermäuse neidisch sind, ich denke es mag durchaus Mitmenschen geben die die Pegelanhebung nicht ganz so extrem erleben. Aus Gründen der Sittlichkeit mag ich jetzt gar nicht spekulieren wie Du dann wohl die Klangkulisse erlebst die Dir die werte Erikkerin im ganz privaten Zwiegespiel schenkt…

…die mündlichen Informationen bezüglich des DVD-Recorders genauer ausführen könntest …
Bedaure, hatte ich von einem SAT-Fachmann. Ich hab von dem was er mir damals erklärt hat ungefähr soviel verstanden wie ein durchschnittlicher NRW-Abiturent vermutlich versteht wenn Du über linguistische Feinheiten der Übersetzung von Südstaatenenglisch ins Mittelweststaatenenglisch schreibst. Hab damals eigentlich nur die juristische Folgeargumentation gecheckt und die ward dunkelst in Erinnerung geblieben. Und dass es ein Hitachi war. Könnt aber auch ein Apanachi oder Fibonacchi gewesen sein, Du weißt, ich interessiere mich ja für das technische Zeuchs dann doch nicht so (vielleicht habe ich da weibliche Gene?, keine Ahnung)

Von Rick am August 14th, 2007

Erik schrieb,

August 15, 2007 @ 12:42 am

Zum ersten Absatz “selektive Wahrnehmung”. :mrgreen:

Soll das heissen, dass derartige linguistische Feinheiten in NRW nicht mehr im Leistungskurs abgefragt werden? Dann würde ich die Umbenennung in “Kurs” vorschlagen. ;)

Ich halte Hitachi für wahrscheinlich, Apanachi als Werbungsausmerzeditorin auf Kohlenstoffbasis dürfte auf entweder, Sklaverei oder exorbitante Lohnkosten hinauslaufen und ist daher eher unwahrscheinlich. Die Fibonacchi-Sequenz könnte man, da sich mit ihr ein mathematisches Model der Schönheit, bzw. akustisch angenehmer Bitsequenzen erstellen lässt, durchaus in dem DVD-Recorder zur Anwendung gebracht haben. ;)

Mich hätte die juristische Argumentation interessiert, man sollte meinen – auch wenn gesunder Menschenverstand und die Juristerei meist diametral gegenüberstehen – dass man mit den eigenen Aufnahmen machen könnte was man will; also auch Werbeeinblendungen entfernen. Aber das ist nur meine Laienmeinung.

Von Erik am August 15th, 2007

Onkel Loco schrieb,

August 15, 2007 @ 9:05 am

Zum Thema Abitur in NRW kann ich nun wieder was sagen: Hier kriegt mittlerweile jeder Abitur. An der Tankstelle und am Büdchen nebenan.
Ich persönlich hatte Abitur mit sechs Jahren. Abitur heisst doch “Abnahme: Beständigkeit im Trinken und Rauchen”, oder?

Von Onkel Loco am August 15th, 2007

Erik schrieb,

August 15, 2007 @ 7:41 pm

Das würde die Missverständnisse zwischen den potentiellen Arbeitgebern und den möglichen, zukünftigen Angestellten erklären. Erstere haben von der Abkürzung anscheinend keine Ahnung, sonst würden sie die erlernten Fähigkeiten der Zweitgenannten in den Firmen gewinnbringend einsetzen. ;)

Von Erik am August 15th, 2007

Onkel Loco schrieb,

August 16, 2007 @ 8:14 pm

Das Problem scheint mir zu sein, dass man mittlerweile fast allerorten nur noch vor der Tür rauchen darf und die Arbeitgeber so gezwungen sind, auf die Hälfte des Abitur-Potentials zu verzichten. ;-)

Von Onkel Loco am August 16th, 2007

Erik schrieb,

August 16, 2007 @ 8:28 pm

Es gibt also einen Leistungskurs “Draussen Rauchen”? ;)

Von Erik am August 16th, 2007

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